Ballkinder

Ganz nah dran an den Profis

1. Tennis-Bundesliga: Blicke und Gesten reichen – mehr als 30 gut geschulte Paderborner Ballkinder machen im Oberhaus einen richtig guten Job. Letzter Einsatz am 10. August gegen den TC Kurhaus Lamberts Aachen. Wenn der »Scheibenwischer« keine Beleidigung ist

Die erfahrenen  Ausbilder Louis Könighaus (links) und  Tim Thies (rechts) mit den Ballkindern des Tennis-Bundesligisten TuS Sennelager.
»Alte Hasen« und der Nachwuchs: Louis Könighaus (links) und Tim Thies (rechts) mit den Bundesliga-Ballkindern des TuS Sennelager.Die erfahrenen Ausbilder Louis Könighaus (links) und Tim Thies (rechts) mit den Ballkindern des Tennis-Bundesligisten TuS Sennelager.
Foto: Agentur Klick

Paderborn (AK). Sie sind ganz nah dran an den Tennisprofis der 1. Tennis-Bundesliga: Ballkinder aus dem Kreis Paderborn sorgen für den reibungslosen Transport der gelben Filzkugeln zwischen den Ballwechseln. Bis das in der Tat reibungslos klappt, ist zunächst einiger Ausbildungsaufwand vonnöten. Schließlich müssen sich Ballkinder und Spieler ohne Worte verstehen.

Drei Einsätze bei den Heimspielen des TuS Sennelager auf der Platzanlage des Paderborner TC Blau-Rot liegen hinter den insgesamt mehr als 30 Kindern, die sich nach einem entsprechenden Aufruf des TuS-Teammanagers Marc Renner freiwillig gemeldet hatten. Ein Einsatz folgt noch am 10. August gegen den TC Kurhaus Lamberts Aachen. An dem Tag ist wieder Wachsamkeit gefragt. Und Schnelligkeit. Und Zielsicherheit. Und Aufmerksamkeit für die Blicke und Gesten der Spieler. Das sind die einzigen Signale der auf ihr Spiel fokussierten Tennisprofis, um ihre Wünsche mitzuteilen. Als Antwort müssen die Reaktionen und die Gesten der Kinder ebenfalls direkt verständlich sein.

Erfahrung damit haben Tim Thies (17) und Louis Könighaus (16). Die beiden Nachwuchsspieler des TC Grün-Weiß Paderborn sind seit Jahren »Ballkind« beim ATP-Rasenturnier in Halle (diese Zeitung berichtete) – und beim TC Grün-Weiß unter Federführung von DTB-Oberschiedsrichter Jens Himmelmann die Ballkinder-Ausbilder und -Betreuer für die Bundesliga.

»Fünf bis sechs Trainings haben wir vorher gemacht«, erzählt Könighaus. »Zunächst haben wir alles erklärt, danach die Gesten einstudiert und alles bei Probespielen auf dem Platz geübt.« Natürlich nimmt während der Ausbildung die wichtigste Geste der Ballkinder in Richtung der Spieler einen zen-tralen Raum ein: Das »Anbieten«, mit dem ein Ballkind dem Spieler zeigt, dass es bereit ist, einen Ball für den nächsten Aufschlag zuzuwerfen – und zugleich, wie viele Bälle es hat. »Das Anbieten klappt sehr gut«, lobt Könighaus seine Schützlinge. Mit einem Blick in die Augen und auch mal mit einem zusätzlichen Nicken geben die Spieler zu verstehen, dass sie einen Ball zugeworfen bekommen möchten. Die im normalen Leben eher berüchtigte Scheibenwischergeste vor dem Gesicht gilt hier nicht als Beleidigung. Vielmehr ist sie das Zeichen, dass ein Spieler sein Handtuch möchte.

Der genau festgelegte Transport-Kreislauf der Bälle über den Platz muss ebenfalls verinnerlicht sein. Nicht alles kann immer direkt sitzen. »Am Anfang wussten sie manchmal nicht, was sie tun sollen, oder vergaßen einen Ball irgendwo auf dem Platz«, sagt Könighaus. Ein Problem sei es mitunter auch, damit umzugehen, »wenn die Spieler sich lautstark über sich ärgern.« Insgesamt machen die Paderborner Ballkinder in der Bundesliga einen guten Job, wie sich die Zuschauer bei den bisherigen drei Heimspielen des TuS Sennelager überzeugen konnten.

Mitschmunzeln konnten sie auch schon. Nämlich als ein Ballkind versehentlich die Sprinkleranlage aktivierte, weil es im Vorbeilaufen an den Einschalthebel stieß. Oder als ein Schnürsenkel sich gelöst hatte und zu einem Problem wurde, das Ballkind und Spieler kurzerhand gemeinsam lösten. Ganz nah dran eben.