Ganz dicht dran an den Stars

Quartett vom TC Grün-Weiß Paderborn bei den Noventi Open in Halle im Einsatz. Henrik Rodenbüsch Linienrichter im Achtelfinalmatch zwischen Roger Federer und Jo-Wilfried Tsonga. Louis Könighaus und Tim Thies sind wie 2018 im Finale Balljungen

Routinierte Balljungs bei den Noventi Open in Halle, von links: Louis Könighaus und Tim Thies (beide TC GW Paderborn).

Routinierte Balljungs bei den Noventi Open in Halle, von links: Louis Könighaus und Tim Thies (beide TC GW Paderborn).

Paderborn (jm). Henrik Rodenbüsch, Ilka Hochrein, Louis Könighaus und Tim Thies, alle vom TC Grün-Weiß Paderborn, haben abenteuerliche Tage hinter sich. Die beiden Erstgenannten waren bei den Noventi Open, dem Tennis-Rasenturnier in Halle, zum vierten Mal als Linienrichter und zum achten Mal insgesamt im Einsatz. »Diesmal herrschte dort eine besonders tolle Stimmung. Es war immer brechend voll«, meinte Henrik Rodenbüsch. Der Spitzenspieler des Vizemeisters der OWL-Liga (6:0 Einzelbilanz) stand etwa im dramatischen Achtelfinalmatch des späteren Siegers Roger Federer gegen Jo-Wilfried Tsonga auf dem Platz, das der Schweizer nach großem Kraftakt 7:6 (5), 4:6, 7:5 gewinnen konnte. »Ein Mal lag ich daneben; ohne Folgen«, räumte Rodenbüsch ein. Als Andenken an »seinen« Turnierklassiker ziert die nunmehr achte Akkreditierung daheim eine Wand.

Nicht minder routiniert waren die anderen beiden Burschen, die bereits zum dritten Mal als Balljungen Verantwortung trugen. Die Gymnasiasten Louis Könighaus (16) und Tim Thies (17) – beide haben die Tennissaison für die U18 des TC Grün-Weiß Paderborn (Bezirksliga) bestritten – hatten eine Woche schulfrei, um die Weltklassespieler, auch ihre Emotionen und Eigenarten in Halle hautnah zu erleben. In diesem Job ist Disziplin oberste Priorität. Die stummen Helden sind mehr als nur Statisten eines Matches. Tennis ohne Ballkinder, das wäre doch wie Wimbledon ohne Erdbeeren.

Zu den klassischen Aufgaben wie Bälle aufheben, den Spielern Handtücher bringen oder eine Wasserflasche füllen gesellte sich oft in praller Sonne eine ordentliche Portion Konzentration. Könighaus und Thies standen wie alle Ballkinder und -jugendlichen unter besonderer Beobachtung. Sie mussten hohe Anforderungen erfüllen und wurden auch bewertet. So lichtete sich auch dieses Feld von Tag zu Tag. Nur wer sich gut schlug, durfte weiter dabei sein. Dass Könighaus und sein Kumpel es wie schon im Vorjahr bis ins Finale schafften, war Zeugnis ihrer Kompentenz und wiederum »ein Riesenerlebnis«. Das Leben eines Balljungen ist stark reglementiert, es geht streng zu. Wo er wann zu stehen oder zu sitzen hat, unterliegt festen Regeln. Ob wartend am Netz, in der Courtecke mit einem Handtuch oder in der Spielpause mit einem Sonnenschirm in der Hand – jede Bewegung ist perfekt einstudiert. Das fordert. Zum einen psychisch; man muss sich die ganze Zeit voll konzentrieren. Aber auch physisch. Schließlich kniet man die ganze Zeit während des Spiels und muss flott aufstehen und schnell losflitzen, um den Ball zu holen.

Unvergessen wird bleiben, wie der jetzt zehnfache Halle-Sieger Roger Federer und David Goffin die 68 Ballkinder nach dem Finale erstmalig mit Medaillen auszeichneten. Ein Akt der Wertschätzung (schließlich war Federer selber mal ein Balljunge) und ein Moment fürs Leben vor 11.500 Zuschauern im ausverkauften Rund.