Training in Einfahrt und Garage

Die beiden Paderborner Profis Valentin Günther und Karlo Cubelic freuen sich, dass sie nach zweimonatiger Pause endlich wieder auf den Platz zurückkehren können

Endlich zurück: Tennis-Profi Karlo Cubelic, der auf der Deutschen Rangliste derzeit  Platz DTB-76 belegt, freut sich, nach beinahe acht Wochen Corona-Zwangspause wieder auf dem Platz zu stehen.
 Foto: Agentur Klick
Endlich zurück: Tennis-Profi Karlo Cubelic, der auf der Deutschen Rangliste derzeit  Platz DTB-76 belegt, freut sich, nach beinahe acht Wochen Corona-Zwangspause wieder auf dem Platz zu stehen.
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ENDLICH ZURÜCK: TENNIS-PROFI KARLO CUBELIC, DER AUF DER DEUTSCHEN RANGLISTE DERZEIT PLATZ DTB-76 BELEGT, FREUT SICH, NACH BEINAHE ACHT WOCHEN CORONA-ZWANGSPAUSE WIEDER AUF DEM PLATZ ZU STEHEN. FOTO: AGENTUR KLICK ENDLICH ZURÜCK: TENNIS-PROFI KARLO CUBELIC, DER AUF DER DEUTSCHEN RANGLISTE DERZEIT PLATZ DTB-76 BELEGT, FREUT SICH, NACH BEINAHE ACHT WOCHEN CORONA-ZWANGSPAUSE WIEDER AUF DEM PLATZ ZU STEHEN. FOTO: AGENTUR KLICK

In der Not muss auch mal die Garage herhalten: Tennis-Profi Valentin Günther (DTB-60) beim Schwitzen provisorischen Kraftraum.
 Foto: Privat  
In der Not muss auch mal die Garage herhalten: Tennis-Profi Valentin Günther (DTB-60) beim Schwitzen provisorischen Kraftraum.
 Foto: Privat

IN DER NOT MUSS AUCH MAL DIE GARAGE HERHALTEN: TENNIS-PROFI VALENTIN GÜNTHER (DTB-60) BEIM SCHWITZEN PROVISORISCHEN KRAFTRAUM. FOTO: PRIVAT IN DER NOT MUSS AUCH MAL DIE GARAGE HERHALTEN: TENNIS-PROFI VALENTIN GÜNTHER (DTB-60) BEIM SCHWITZEN PROVISORISCHEN KRAFTRAUM. FOTO: PRIVAT

Paderborn (AK). Viele Menschen durften und dürfen derzeit aufgrund des Corona-Unbills ihrem Beruf nicht oder nur eingeschränkt nachgehen. Das trifft auch auf die beiden einzigen Tennis-Profis mit Weltranglisten-Notierung aus dem Kreisgebiet zu: Valentin Günther aus Haaren und Karlo Cubelic aus Paderborn.

Die beiden Berufsspieler können sich noch sehr lebhaft an den Moment erinnern, als sie Mitte März die Nachricht der Spielergewerkschaft ATP und des Tennisweltverbandes ITF erreichte, bis auf Weiteres alle Veranstaltungen der weltweiten Turnier-Tour abzusagen. Cubelic (APT-Rang 1028) war zu dem Zeitpunkt gerade zu einem Turnierstart in Ägypten angekommen. „Das war eine chaotische Situation“, blickt er zurück. „Innerhalb von 24 Stunden ist alles den Bach runtergegangen. Das Turnier wurde abgesagt, wegen Flugausfällen und Ausnahmezuständen an den Grenzen war die Rückreise schwierig.“

Die Corona-Stresslage traf ihn im Unmoment. „Seit Januar hatte ich in Kamen beim Westfälischen Tennisverband sehr gut trainiert, war in Bestform und hochmotiviert“, sagt er. Auch um ihn herum seien alle Spieler erstmal ratlos gewesen. „Wir haben untereinander geredet und uns gegenseitig geholfen“, gewährt er einen Einblick. Die Situation habe die ansonsten Kontrahenten auch ein Stück weit zusammengebracht.

Günther (ATP-927) kam gerade von einer Turnierreise aus Kreta zurück, als per E-Mail die folgenschwere Nachricht eintraf. „Das war krass“, beschreibt er, „ich war geschockt und habe mich sofort gefragt, wie es jetzt weitergehen und was ich machen soll. Die 14 Tage später geplante nächste Teilnahme an einem Turnier auf Kreta war ja auf einmal vom Tisch.“

Danach haben Günther und Cubelic bis zur Wiedereröffnung der Tennisanlagen in Deutschland mehr als sechs Wochen nicht auf einem Court gespielt. Beide können sich nicht erinnern, seit ihren Tennisanfängen schon einmal eine so lange Zeit ausgesetzt zu haben. Als Notnagel brachte Cubelic auf der Einfahrt vor der elterlichen Garage mit Linien einen Platz auf und versuchte dort mit seinem Vater und Trainer Ante dafür zu sorgen, dass das Gefühl für Schläger und Ball nicht verloren geht. Groß war die Erleichterung, als es am 7. Mai endlich wieder auf dem Roten Grand losging. Den Re-Start erlebte Cubelic sehr positiv, nachdem er in der ersten Phase des Corona-Shutdowns selbst ebenfalls „ziemlich down“ gewesen war. „Ich habe während der Zwangspause viel an meinen Schwächen sowie der Fitness gearbeitet und mich auf die Grundlagen konzentriert, die ansonsten zu kurz kommen“, berichtet er. „Zurück auf dem Platz habe ich sofort gemerkt, dass sich das bezahlt macht“.

Die Fortschritte durch das Training fernab des Platzes hätten ihn zuletzt immer mehr aufgebaut, und nun fühle er sich besser als Mitte März. „Meine Schläge sind stabiler und mit mehr Power und ich habe mehr Vertrauen in meine Physis“, konstatiert er.

Günther sagt zur Rückkehr auf die Sandplätze: „Das war befreiend und sehr spaßig, aber zugleich auch ein komisches Gefühl.“ Nach den Wochen ohne Tennis, in denen zusätzliches Schwitzen im provisorischen Kraftraum in der Garage und umfangreiche Ausdauerarbeit – und mit Einverständnis des Trainers auch das Mithelfen im elterlichen Unternehmen und ein Stück weit Abstand gewinnen vom Turnierstress – das Arbeiten auf dem Platz sub­stituiert haben. „Anders als sonst ist mein Ziel derzeit nicht das nächste Turnier, sondern meinen Körper wieder auf ein anderes Niveau zu bringen“, sagt er. „Ich will im bestmöglichen Zustand auf die Tour zurückkehren.“ Günther räumt unumwunden ein: „Die Turniere fehlen mir.“

Wann Turnierreisen wieder möglich sein werden, ist völlig offen. Erst vor wenigen Tagen haben ATP und ITF die internationale Turnier-Zwangspause bis zumindest Ende Juli verlängert. Dass der Tour-Circuit dann wieder Fahrt aufnimmt, bezweifeln Günther und Cubelic jedoch. „Keiner weiß im Moment, wann es weitergeht“, sagt Valentin Günther, „aber ich befürchte, dass wir in diesem Jahr keine Turniere auf der Tour mehr spielen werden.“ Trotz der ausgesetzten Tour können die beiden 22-Jährigen am 14. Juni voraussichtlich wieder in das Wettkampftennis einsteigen. Dann beginnt für ihre aktuellen Clubs die Mannschaftswettspielrunde: Günther spielt mit dem Bielefelder TTC in der Regionalliga, Cubelic mit dem TP Versmold in der Verbandsliga.

Ihr Mitwirken dort beinhaltet in Zeiten der Corona-Krise einen bedeutsamer gewordenen finanziellen Aspekt. „Ich bekomme das im Moment alles noch hin“, sagt Günther, „das Preisgeld bei den Turnieren bleibt zwar aus, aber dafür fallen auch die hohen Kosten für Flüge und Hotels nicht an.“ Seine Trainer müsse er jedoch weiterhin bezahlen. Für Cubelic sind die Einnahmen durch den Liga-Spielbetrieb eine „kleine Rettung“ und zudem die Möglichkeit, „etwas Polster“ anzulegen.